Der ostbelgische Europaabgeordnete Pascal Arimont hat die EU aufgefordert, Fusionsenergie konsequent von der Forschung in die Umsetzung zu bringen. „Europa hat Know-how und Forschung – jetzt müssen daraus Projekte, Investitionen und Industrie werden“, sagte Arimont im Europäischen Parlament. Gemeinsam mit seiner Kollegin Hildegard Bentele (CDU-EVP) richtete er die Konferenz „Fusionsenergie in Europa: Ein Aufruf zum Handeln“ aus.

An der Veranstaltung nahmen unter anderem die deutsche Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär sowie die EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation Ekaterina Zaharieva teil. Beide betonten die strategische Bedeutung der Technologie für Innovationskraft und technologische Souveränität Europas. Die hohe Relevanz des Themas zeigte sich auch am großen Zuspruch: Statt der ursprünglich geplanten 100 Teilnehmenden nahmen rund 170 Gäste an der Konferenz teil – der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, zusätzlich verfolgten weitere Gäste die Diskussionen online.


Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse

„Fusionsenergie kann ein Baustein für eine saubere, zuverlässige und sichere Energieversorgung sein – und zugleich eine industrielle Chance für Europa“, erklärte Arimont. „Das ist kein fernes Versprechen mehr. Jetzt kommt es darauf an, aus wissenschaftlicher Exzellenz auch industrielle Umsetzung zu machen – damit Investitionen und Arbeitsplätze in Europa entstehen.“

In ihrer Eröffnungsrede verwies Ministerin Bär auf Initiativen der Bundesregierung, den Übergang von Forschung zu Pilotvorhaben zu beschleunigen. Kommissarin Zaharieva unterstrich, dass Europa Forschungsergebnisse schneller in Anwendungen und Wettbewerbsfähigkeit überführen müsse.

In mehreren Panels diskutierten Vertreter der EU-Institutionen, Forschung, Industrie, Investoren und Zivilgesellschaft, wie der Schritt von der Forschung zur industriellen Skalierung gelingen kann. Zentrale Punkte waren passende Rahmenbedingungen, planbare Genehmigungsverfahren und Instrumente, um privates Kapital zu mobilisieren – etwa über öffentlich-private Partnerschaften und Risikoteilung.

Arimont forderte insbesondere ein eigenständiges, verhältnismäßiges Regelwerk für Fusion, das nicht schlicht aus der Kernspaltung übernommen werde: „Unser Anspruch muss klar sein: Fusion soll in Europa entwickelt, finanziert und umgesetzt werden. Dafür brauchen wir Regeln, die zur Fusion passen, schnellere Genehmigungen für erste Vorhaben und eine europäische Finanzierungsstrategie, die privates Kapital anzieht.“

Im Anschluss stellten Arimont und Bentele die politische Erklärung „MEPs’ Call for Action: What Europe must do to lead in commercial fusion energy“ vor. Das Papier skizziert Schritte für eine kommende EU-Fusionsstrategie – darunter ein klarer europäischer Rahmen, beschleunigte Genehmigungswege und wirksame Instrumente zur Mobilisierung privater Investitionen. Ziel sei, die Führungsrolle Europas bei der Fusionsenergie zu sichern und die Technologie in der europäischen Industrie- und Energiepolitik zu verankern.

Hintergrund: Bei der Fusionsenergie werden Atomkerne verschmolzen, wodurch große Energiemengen ohne CO₂-Emissionen entstehen. Im Vergleich zur Kernspaltung sind die Sicherheitsrisiken deutlich geringer, außerdem fällt nur eine geringe Menge überwiegend kurzlebigen radioaktiven Abfalls an.