„Ostbelgien ohne Europa. Für mich unvorstellbar. Ich möchte dazu beitragen, dass wir hier in unserer Grenzregion in einem funktionierenden Europa leben – im Sinne der vielen Grenzgänger, Familien und jedes einzelnen Ostbelgiers.“

Welche sind deine Hobbys? Und was sind deine Laster?

Vor meiner Zeit in der Politik und bevor ich Vater von zwei Kindern wurde, hatte ich noch viele Hobbys. Da ist natürlich der Fußball in all seinen Dimensionen. Aktiv und auch als Fan des HSV. Ich habe lange Jahre in den ersten Mannschaften von Recht und Weywertz gespielt. Daneben bin ich immer wieder gerne Mountainbike durch unsere Wälder gefahren. Heute sind die Hobbys meiner Kinder auch meine Hobbys.

Was die Laster angeht, sollte das besser meine Frau beantworten. Sie würde sagen, dass ich zu viel Zeit mit dem unnützen Anstarren meines Handys verbringe. Dabei hat sie auch nicht ganz Unrecht.

Welche Bücher haben dich in der Jugend geprägt?

Meine Kindheit haben die Comics von Asterix und Obelix geprägt. Danach habe ich mich durch alles gelesen, was in der Literatur Rang und Namen hat. Das „Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse, in dem es vor allem um das Thema Spiritualität geht, fand ich sehr faszinierend. Ebenfalls gut in Erinnerung ist mir „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco.

Und welches Buch liegt momentan auf deinem Nachttisch?

Die Kinderbücher meiner Kinder, aus denen ich ihnen vorlese, wenn ich zu Hause bin.

Wie beginnst du den Tag? Und wie entspannst du?

Ich beginne den Tag mit einem kurzen – oder längeren – Blick aufs Handy. Wenn ich um halb fünf aufstehe, um nach Brüssel zu fahren, frühstücke ich nicht zu Hause, sondern kaufe mir an der Raststätte in Leuven einen Kaffee und ein Schokobrötchen. Ansonsten frühstücke ich mit der Familie zuhause und gehe vorher im Dorf Brötchen holen.

Entspannen kann ich besonders gut bei einem guten Tatort, was immer seltener vorkommt. Das geht auch bei einem guten Film aus der Apple-Mediathek oder einer Netflix-Serie – mit Kopfhörer auf dem Macbook. Meine Lieblingsfilme wären „Der Name der Rose“, „Herr der Ringe“, „Das Leben ist schön“ und „Into the Wild“.

Auch mein Musikgeschmack ist weit gestaffelt. Von klassischer Musik bis Rock kann ich mich für verschiedene Richtungen begeistern und dabei entspannen. Also von Beethoven, Coldplay, Bruce Springsteen bis hin zu „The Pogues“.

Was nimmst du auf eine einsame Insel mit? Und wo machst du am liebsten Urlaub?

Mit auf die Insel kommen meine Frau und die beiden Kinder. Das ist das Wichtigste. Und meine Linsenflüssigkeit. Aber das hört sich weniger romantisch an, oder?

Ich mag Urlaub da, wo ich morgens etwas sehen, mittags gut essen, nachmittags am Strand liegen und abends auf einer Terrasse den Tag ausklingen lassen kann. Letztes Jahr waren wir auf Korsika. Dieses Jahr fahren wir nach Madeira.

Welche berühmte Persönlichkeit würdest du gerne mal interviewen?

Davon gibt es so einige: Cicero, Jesus, Albert Einstein und Jürgen Klopp.

Wenn du die Möglichkeit hättest, ein Problem zu lösen, welches wäre das?

Ich würde mir wünschen, eine nachhaltige Energiequelle zu finden, die sofort in großen Mengen speicherbar und für jeden einzelnen zugänglich wäre. Das würde den Klimawandel stoppen und viele Konflikte im Keim ersticken. Und ich würde mir wünschen, dass wir in Europa unsere gemeinsame Stärke besser erkennen und nutzen.

Wie sollte in deinen Augen ein Politiker privat sein?

So wie er auch öffentlich ist und umgekehrt. Ich bezahle meinen Eintritt immer selbst, setze mich ungerne an so genannte „Ehrentische“ oder in reservierte Bänke bei einem Gottesdienst – um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Ich habe kein einziges Recht mehr als mein Nachbar, nur weil ich in der Politik arbeite. Und auch das werde ich oft gefragt: Ja, ich fahre meinen Wagen selbst.

Deine Tugenden?

Schwierige Frage. Ich würde mich selbst als loyal, verlässlich und absolut nicht nachtragend bezeichnen.

Welchen Fehler entschuldigst du am ehesten? Was schätzt du an anderen?

Es gibt eigentlich im Alltag oder Berufsleben nichts, was ich nicht entschuldigen könnte. Was aber nicht bedeutet, dass ich diese Dinge vergesse.

An anderen schätze ich vor allem Aufrichtigkeit und Loyalität. Wichtig ist mir auch, dass Leute über sich selbst lachen können.

Was schätzen deine Freunde an dir?

Dass ich mich nicht wichtig nehme und ich ein eigentlich immer gut gelaunter Mensch bin.

Was hast du von deinem Elternhaus mitgenommen?

Meine Eltern haben mich auf Grundlage von Werten erzogen, die die Menschen auf dem Land seit Jahrhunderten geprägt haben: Nur wer hart arbeitet, erreicht seine Ziele. Nur wer weiß, wo er herkommt, bleibt bodenständig. Nur wer ehrlich und loyal ist, erfährt Respekt.

Was ist dein Lebensmotto?

Sich nicht zu ernst nehmen. Das Leben ist zudem zu kurz, um auch nur eine halbe Stunde schlecht gelaunt zu sein.

Worüber ärgerst du dich?

Wenn jemand glaubt, dass seine hohe Intelligenz ihn zu einem besseren Menschen macht.

Was ist für dich Familie?

Das Wichtigste. Denn Familie begründet die Grundsätze, die mein Leben bisher nachhaltig bestimmt haben: „Wer gibt, der erhält. Wer liebt, der lebt.“ Das Bewusstsein für Familie wächst mit steigendem Alter. Familie ist auch ein guter Prüfstein für die Politik.

Was ist für dich Heimat?

Der Ort, an dem meine Familie lebt. Ich empfinde es für mich, meine Familie und meine Kinder als sehr wichtig, in einer Umgebung und Gemeinschaft zu leben, die ich kenne, deren Werte ich teile und an der ich mich aktiv beteiligen kann.

Was fasziniert dich an Politik?

In die Politik bin ich gekommen, weil ich mich über bestimmte Dinge geärgert habe. Der Ansporn war dann immer, nicht einfach nur drüber zu reden, sondern auch zu versuchen, die Dinge zu verbessern.

Besonders interessant ist es in der Politik, zu beobachten, wie Entscheidungen zustande kommen. Das hat viel damit zu tun, immer wieder einen gemeinsamen Nenner zwischen unterschiedlichen Auffassungen zu finden.

Was war dein politisches Schlüsselerlebnis?

Politisches Interesse entstand bei mir im Alter von 16 Jahren. Damals fing es an, dass ich mich an politischen Phrasen störte. Dann habe ich versucht, mich besser zu informieren, um Argumente gegen diese Phrasen zu entwickeln. Das war der Einstieg in die Politik: Sich informieren, um mitdiskutieren zu können.

Wer ist dein Vorbild?

Ich habe kein direktes Vorbild. Im Leben geht es in meinen Augen eher darum, seinen eigenen Weg zu finden. Aber viele Menschen inspirieren einen mit dem, was sie tun und wie sie sind – im privaten Leben wie in der Politik.

Was bedeutet Europa für dich?

Europa ist für mich die einzig vernünftige Antwort auf die großen Fragen dieser Zeit, die die Nationalstaaten in einer globalen Welt nicht mehr alleine beantworten können.

Welchen Beruf hättest du dir früher vorstellen können?

Ursprünglich wollte ich einmal Sportjournalist werden, um Fußballspiele kommentieren zu dürfen.

Dein Wunsch für die Zukunft?

Es mag zwar klischeehaft klingen, aber im Endeffekt zählt vor allem, dass meine Familie gesund und glücklich ist.